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Platz da! Der eigene gemeinsame Raum

Grundschule Glücksburg:

Die Klasse 3b der Grundschule Glücksburg ist eine Gruppe, die erhebliche Schwierigkeiten hat, sich in eine Gemeinschaft zu fügen. Seit der 1. Klasse haben die Kinder Schwierigkeiten ihre Grenzen zu akzeptieren und zu setzen. Die Gruppe war stark von Angstgefühlen geprägt. Durch soziales Training, das die Klassenlehrerin durchführte, sind die Kinder kompetenter im Umgang mit Konflikten geworden. Viele Kinder zeichnet jedoch immer noch ein mangelndes Selbstwertgefühl aus und wenig Wahrnehmung für sich und andere. Ein Projekt, das die Potentiale jedes Einzelnen spürbar machen kann und die Gruppe im Ganzen fordert, wäre für die Klasse eine fördernde Maßnahme.
Viele Kinder sind in Trennungsfamilien oder Patchwork Familien zu Hause. Gerade in dem Fach Kunst wird immer wieder deutlich, dass die Fähigkeit sich auszudrücken nicht ausgebildet ist.
Auch in den sogenannten Hauptfächern wie Deutsch und Mathematik haben ein Drittel der Kinder Lernpläne, was zeigt, dass Motivation sowie kognitive Fähigkeiten vergraben unter anderen Problemen sind. Dazu kämpft die Klasse mit ihrem Image an der Schule – unter den Kindern und den Eltern – die gewalttätige zu sein.
Ein Projekt zum Thema Gruppen- und Raumerleben kann den Kindern andere Zugänge zu ihren Fähigkeiten vermitteln, die der normale Unterricht schwer aktivieren kann. Auch der Abschluss in Form einer Aufführung kann das Außenbild und somit das Selbstbild der Klasse aufbrechen und zu einer neuen Identität – Losung – führen.

„ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine nackte Bühne nennen. ein Mann geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht; das ist alles, was zur Theaterhandlung notwendig ist.“– So beginnt das berühmte Buch „der leere Raum“ von Peter Brook, und das soll  auch der Ausgangspunkt der Arbeit mit diesen Schülern sein. Unsere sozialen Beziehungen sind ja immer auch räumliche und viele Konflikte haben damit zu tun, dass dieser Raum nicht als gemeinsamer begriffen wird. Die einen überscheiten oder verletzen die Grenzen der anderen, einige ziehen sich immer mehr zurück, andere sind einfach immer am falschen Ort. Eine Schulklasse teilt ja über viele Stunden Raum und Zeit- und die Grenzen sind nicht statisch sondern ändern sich, es geht ja nicht darum, dass jeder seine Ecke beansprucht und verteidigt, sondern alle gemeinsam den ganzen Raum nutzen.
In der Theaterarbeit der Theaterwerkstatt Pilkentafel spielen seit jeher Improvisation, die sich mit dem Raum befassen, eine Rolle in der Arbeit – gerade mit Amateuren und wir stellen auch immer wieder fest, dass Kinder auf diese erstmal abstrakt wirkende Arbeit sehr gut reagieren, und man schnell zu Ergebnissen kommt, die auch für den Zuschauer interessant und lesbar sind. In diesem Projekt werden die Elemente, Raum, Körper, Musik zusammengeführt. Die Tatsache mit einer Klassenlehrerin zusammenzuarbeiten, die nicht nur Kunstlehrerin sondern selbst Künstlerin ist, machen Öffnungen in die bildende Kunst möglich, so dass dieselben Erfahrungen in verschiedenen Genres ausgedrückt werden können. Am Ende der Arbeit wird ein Musiker dazu kommen. Es sind also drei verschiedene Künste involviert.
Das Projekt ist so gedacht, dass es erst eine Reihe von dreistündigen Interventionen der Regisseurin mit der Klasse gibt, so hat sie die Möglichkeit die Klasse kennen zu lernen und ein Konzept für eine kleine Aufführung zu entwickeln. Dann gibt es eine Projektwoche im Theater, in dem die Schüler konzentriert an „ihrem“ Stück proben. Es geht dabei darum, die Kinder mit ihren Möglichkeiten zu zeigen und herauszufordern. Gegen Ende kommt der Musiker Uwe Schade dazu, der mit seinem Cello auf die Szenen der Kinder reagiert und sie begleitet, ihnen ihre eigenen Stimmung spiegelt. Am Ende steht eine kleine Aufführung, die den Schülern dann auch ein gemeinsames Erfolgserlebnis vermittelt.
Begleitend wird die Theaterwerkstatt Pilkentafel ihr neues Klassenzimmerstück „Die Hörer“, das sich mit dem tatsächlichen Klassenraum beschäftigt. Dieses Stück wird auch in den anderen Klassen gezeigt, denn Theater machen und Theater sehen gehört zusammen.