FARBTON – Musik sehen, Kunst hören
Musikhochschule Lübeck:
Musik und Kunst mit behinderten Menschen – eine Kooperation zwischen Musikhochschule und Galerie des 19. Jahrhunderts: Ungefähr 10 Menschen mit Behinderung malen auf Grundlage von Musik in den museumspädagogischen Räumen des Behnhauses. Die Musik wird live von einem Ensemble, bestehend aus Studenten der Musikhochschule, gespielt, um zum Einen den Malenden in vollem Maße den Genuss der Musik zu ermöglichen und zum Anderen den Studierenden die Chance zu geben, mit ihrer Musik an einem wohltätigen Projekt teilzuhaben.
Mit dem Projekt möchten wir Behinderten die Chance geben, das kulturelle Leben aktiv mitzugestalten, da sie eine ungewöhnliche Zielgruppe darstellen, die im bisher bestehenden Programm der Lübecker Kulturlandschaft nicht angesprochen wird. Es geht darum, einen Anstoß zu geben und zu sehen, wie ein solch gestaltetes Projekt sowohl bei den Teilnehmern als auch von der Öffentlichkeit aufgenommen wird.
Diese bisher unerreichte Zielgruppe eröffnet durch Ihre mitunter andere Wahrnehmung, bzw. Herangehensweise, einen neuen Blick auf die Kunst. Grundlage und Anregung zu den Kunstwerken soll ein Musikstück sein, welches als Inspiration und Emotionsanstoß fungieren soll. Dieses wird live von einem Ensemble von Musikstudenten der Hochschule performt. Die erste Aktivität würde somit eine Art musikbegleiteten Workshop darstellen.
Das Hauptaugenmerk soll jedoch auf einer anschließenden Ausstellung der Ergebnisse liegen, wo auch Fotos vom gestalterischen Prozess gezeigt werden.
Die entstandenen Kunstwerke sollen an einem öffentlichen Ort (Einkaufspassage/Fußgängerzone/…) präsentiert werden, um allen Menschen die Kunst zugänglich zu machen und sie durch die unterschiedlichsten Wahrnehmungen der Künstler selbst zu inspirieren.
Im Wesentlichen wurden wir von der Programm-Musik von Modest Mussorgsky „Bilder einer Ausstellung“ inspiriert, der ein Werk auf Grundlage von Bildern eines verstorbenen Künstlerfreundes komponierte. Da dies zu anspruchsvoll und umfangreich wäre, entschieden wir uns für die Umkehr seiner Idee: Musik bildhaft darstellen.
Die Herausforderung in unserem Projekt besteht darin, man selbst zu sein und ungehemmt malen zu dürfen. Interessant ist, dass Behinderte meistens wesentlich offener und ungehemmter agieren als Nichtbehinderte, was wir uns in diesem Vorhaben zu Nutze machen wollen. Es ist für Außenstehende daher reizvoll, Kunst betrachten zu können, die ohne jeglichen Perfektionsanspruch geschaffen wurde.
Uns war das Interdisziplinäre von Anfang an sehr wichtig, um die verschiedenen Kulturmöglichkeiten und -verbindungen hervorzuheben. Wir fanden es sinnvoll, nach Lücken im bestehenden Kulturangebot – auch innerhalb der eigenen Einrichtung- zu suchen, wobei uns bei einem Blick auf die angesprochenen Personengruppen das Fehlen von Kulturangeboten für Randgruppen, speziell Behinderten, auffiel.
Insgesamt geht es darum, die Reaktion auf solch ein kulturelles Angebot zu testen. Uns persönlich dient es dazu, neue Einblicke in ein uns unbekanntes Terrain zu bekommen.
Vielleicht stellt dieses Projekt einen Anreiz dar, allgemein ein Angebot für behinderte Menschen in die Museums- und Kulturwelt Lübecks aufzunehmen.
Das Projekt wird geleitet von der FSJlerin der Musikhochschule Lübeck, Lea Lustig, in Kooperation mit der FSJlerin des Behnhaus/Drägerhaus Lübeck, Lea Kunze.
Die Idee für die Zusammenarbeit entstand im Rahmen des FSJ Kultur Einstiegseminars.
